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16.09.2021

Wer bezahlt für Inhalte?

07.07.2021
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Karl Malik

Lange wurde über das Zusammenwirken von deutschen Medienhäuser mit Facebook, Google & Co. debattiert. Die umstrittene EU-Urheberrechtsreform ist nun in Kraft getreten.
»Bis jetzt konnten die Plattformen die journalistischen Inhalte der Verlage kostenlos nutzen. Jetzt wird sich auf der Basis des in deutsches Recht umgesetzten EU-Urheberrechts ein wirklicher Markt für Inhalte bilden«, so Philipp Welte, Vizepräsident des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) gegenüber dpa. Gesetzt wird auf eine Markterweiterung für journalistische Inhalte und ein Tarifsystem für die Verwertung, sowie auf das novellierte Wettbewerbsrecht.  
Die über Jahrzehnte erfolgsverwöhnten Zeitungen tun sich bei ihrem Weg zur neuen digitalen Vermarktung sehr schwer. 
Keine wirklich neue Erkenntnis. 
Beispielsweise  ist Blendle mit reiner Artikel-Vermarktung für wenige Cent pro Artikel damit gescheitert. Andere elektronische Vermarktungsmodelle für Inhalte boten pro Artikel sogar dafür ein Rückgaberecht bei Nichtgefallen an. Fazit: mit den gängigen Paywall-Modellen ist zumeist kein tragfähiges Modell gegen die allgegenwärtige Gratismentalität im Internet vorhanden. Damit lässt sich bestenfalls  digitale, unbezahlte Reichweite generieren.
Für die Redaktion sind kurzfristige Rückmeldungen, wie oft ein Artikel angeklickt wurde, sehr wertvoll für die inhaltliche Akzeptanz beim zahlenden Medienkonsumenten.
Google News Initiative konnte sich mit kleinem Geld aus Sicht eines dominanten weltweiten Milliarden-Konzerns bei führenden Medienhäusern mit mehr oder weniger Sponsoring-Geldern etablieren. 
Der Preis dafür für die Medienhäuser ist und bleibt dafür sehr hoch. 
Ein Scheck auf eine Zukunft des gesamten Medienmarketings wird damit gezogen.
Wem die Werbewirtschaft als unverzichtbare Säule der Erträge für die Medienhäuser folgen wird, steht offen. Wirtschaftlich stabile, unabhängige Zeitungs-Medienhäuser sind eine unverzichtbare  dritte Kraft in unseren freien Demokratien.
Wichtiger denn je zuvor, da auch nach der Corona-Krise unsere Gesellschaft die freien, investigativen Medien mehr denn  benötigt. WireCard, Diesel-Betrugs-Affäre, Corona-Recherchen, Einschätzung der internationalen Wirtschaftsentwicklungen, Gegenpol zum unkritischen Mainstream in der Gesellschaft auf kritischer Faktenbasis zu sein: Das ist die Aufgabe freier, wirtschaftlich unabhängiger Medien.
International sind beispielsweise die Türkei, Belarus, China, Russland ein dramatisches Beispiel dafür, wenn  die freie Meinung brutal unterdrückt wird. An der Digitalisierung führt kein Weg vorbei. Wenn beispielsweise Die Grünen ein Grundrecht auf schnellen Internet-Zugang versprechen, ist dies ein richtiger Ansatz. Allerdings noch lange Wunschdenken, da in Deutschland weniger als 5% der Bürger über einen Breitband-Anschluss verfügen.
Ob die Rechnung für die Medienhäuser mit der EU-Urheber-Rechtsreform sehr spät, aber wenigstens überhaupt, aufgeht, wird sich in den nächsten Monaten zeigen: Funktionieren die entwickelten Modelle – oder kommt es zu langjährigen Rechtstreitigkeiten über die EU-Urheber-Rechtsreform? Dafür brauchen wir über alle Gesellschaftsschichten hinweg freie Köpfe, die mehr wollen, als nur in wirtschaftlich kritisch werdenden Zeiten bestmöglich versorgt zu sein.
Dass nun endlich die milliardenschweren Internet-Giganten wie Amazon, Google & Co. regional 15% Steuern zahlen sollen, ist überfällig geworden. 
Herzlichst, Ihr Prof. Ing. Karl Malik
Karl.Malik@premedianewsletter.de


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