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23.02.2018

Deutschland: Zum Aufbruch...???

24.01.2018
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Karl Malik
Die Sehnsuchtshoffnung vieler Menschen in Deutschland ist vielleicht mit Stabilität gut umschrieben. Die sichere Rente, soziale Sicherheit und ein sicherer Arbeitsplatz, planbare Lebensumstände und eine stabile Urlaubsplanung. Die lähmend-endlosen Sondierungsverhandlungen zwischen allen regierungsfähigen Kräften kommen in ihre finale Runde. Die Endrunde ist wohl noch länger offen. Doch zu oft wird Stabilität mit dem mutlosen Verzicht zur Erneuerung erkauft. Noch brummt durch den vorbildlichen Einsatz der deutschen Wirtschaft der Markt, Beschäftigungs-Rekordzahlen wie seit der deutschen Wiedervereinigung nicht mehr: Allerdings - heimelnde Selbstgefälligkeit ist selten ein Innovationstreiber. Die politisch handelnden Personen sind mehr Funktionäre, leider kaum Gestalter. Die SPD, die immer dann erfolgreich war, wenn sie als Motor von Veränderungen zur Verfügung stand, sucht nach ihrem zukunftsfähigen Profil. Mit dem schmalen Mandat von 56% Zustimmung zur Aufnahme von „nachzuverhandelnden“ Sondierungsgesprächen, steht Deutschland vor einer schwierigen Regierungsbildung. Mit immer mehr sozialen Wohltaten aus dem Steuertopf können die Herausforderungen für die mittelfristige Zukunft nur verwaltet, aber nicht gestaltet werden. Die alles umspannende Frage, wie fair oder auch nur transparent mit Flüchtlingen umgegangen werden kann, ist keine Frage der Sondierungsgespräche mit einem Korridor von weiteren 180.000 bis 220.000 aufzunehmenden Flüchtlingen pro Jahr in Deutschland. Es fehlt vor allem ein Einwanderungsgesetz und vor allem an klaren, erfüllbaren, fairen Regeln zur nachhaltigen, erfolgreichen Integration dieser Menschen.
Bei der Digitalisierung landet die Führungsnation Deutschland hinter Portugal im - stabilen - Mittelfeld (siehe dazu den Beitrag auf Seite 22).
Doch reicht stabiles Mittelmaß für eine Führungsnation auch wirklich aus?
Deutschland bremst sich durch Fehlinvestionen der Telekom über ein langsames Internet selbst aus. Der starke und so wichtige Mittelstand fühlt sich in seiner Arbeit außerhalb der Metropolregionen erheblich behindert, im Stich gelassen. Die Datenmengen in den Betrieben wachsen, auch weil immer mehr Menschen miteinander vernetzt sind. Wenn allerdings die Kommunikation zwischen Auftraggeber und Kunden stockt, ist all der technische Fortschritt wieder dahin.
Union und SPD versprechen jetzt in ihrem „Sondierungspapier“: „Wir wollen den flächendeckenden Ausbau mit Gigabit-Netzen bis zum Jahr 2025 erreichen.“ 
Damit sind Surfgeschwindigkeiten von bis 100 Megabit je Sekunde gemeint. Selbst wer heute schon zu den Glücklichen zählt, einen schnellen Internet-Zugang auf dem Papier zu besitzen, spürt in der Praxis davon wenig. 3 von 10 Nutzern (28,4%)! sind mit einer Datenübertragungsrate unterwegs, die weniger als die Hälfte der versprochenen Höchstgeschwindigkeit garantiert. 
Besser sehr spät als niemals?
Ernüchternde Momente am Standort Deutschland.
Mut zum Aufbruch, das ist gefordert! Und vor allem eine wenigstens akzeptable Qualität im Handeln der politisch und wirtschaftlich handelnden Personen.
                         Ihr 
Karl.Malik@premedianewsletter.de

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