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16.09.2019

Das Aktuelle Medieninterview – Kreativ-Zeitungsdesign – der Schlüssel zum Erfolg

21.06.2019
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Norbert Küpper ist seit vielen Jahren international bei führenden Medienhäusern tätig, um ein Kreativ-Zeitungsdesign in gemeinsamer Arbeit zu kreieren. Dabei nutzt er über alle Medienkanäle die Kraft der Optik, die zum Verweilen und Lesen einlädt.
Beim Zeitungs-Design gibt es immer noch Raum für Verbesserungen,  um den Medienkonsumenten zu überzeugen.

PreMedia Newsletter: 
Hr. Küpper, wo steht die Zeitung aber auch die Zeitschrift bei der Verwirklichung eines Kreativ-Zeitungsdesigns heute?

Norbert Küpper: 
Hr. Malik, eine weite, so offene Frage von Ihnen. … In Skandinavien und den Benelux-Ländern setzen Zeitungen sehr stark auf visuellen Journalismus. In den anderen Ländern Europas sind es in erster Linie die Wochenzeitungen, die sehr design-getrieben sind. Beispiele in Deutschland sind Die Zeit, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, Welt am Sonntag, Libération in Frankreich, SonntagsZeitung und NZZ am Sonntag in der Schweiz, um nur einige zu nennen. Bei Zeitschriften sind es besonders die Newcomer, die Neugründungen, die ihr kreatives Potenzial voll ausspielen. In Deutschland gibt es pro Jahr ca. 180 Neugründungen. Bier, Bars & Brauer, Mixology, Beef, Flow sind Zeitschriften, die man sich mal ansehen sollte. Sie gehören zu den derzeitigen Trendsettern in Deutschland.

PreMedia Newsletter: 
Über viele Jahre gab es einen großen Vorsprung von skandinavischen und Zeitungen aus den BeNeLux-Ländern, wenn es um leserfreundliches, kreatives Zeitungs-Design ging. Was deren Zeitungs-Design in der Vergangenheit anging, spielten sie in der Topliga. Wie sehen Sie diese Situation im europäischen Vergleich gegenwärtig?

Norbert Küpper: 
Die Situation ist gleichbleibend. In den meisten europäischen Ländern sind Zeitungen gut oder sehr gut gestaltet, aber wenn es um wirklich konsequenten visuellen Journalismus geht, bleiben die von Ihnen genannten Länder führend. Allerdings gibt es auch im deutschen Sprachraum einen stärkeren Trend zu visuellem Journalismus. Das merkt man zum Beispiel daran, dass Regionalzeitungen wie die Allgemeine Zeitung Mainz oder die Fuldaer Zeitung eigens Art-Directoren eingestellt haben, um das gestalterische Niveau weiter anzuheben. Außerdem nimmt die Anzahl der Einreichungen beim European Newspaper Award zu. Wir waren beim 20. Wettbewerb bei 4.625 Einreichungen in den 18 Kategorien.

PreMedia Newsletter: 
Sie haben beim diesjährigen European Publishing  Congress 2019 in Wien Thesen für ein leserfreundliches Zeitungs-Design präsentiert. Würden Sie dies an Hand von praktischen Beispielen für unsere Leser näher ausführen?

Norbert Küpper: 
Es geht um visuellen Journalismus. Das Ziel ist, die Leser über eine Nachricht oder ein Geschehen so zu informieren, dass er die Informationen optimal aufnehmen kann. Nehmen wir nur ein Beispiel von Le Temps aus der Schweiz. Die Zeitung veröffentlichte eine Doppelseite mit 21.167 roten Punkten. Die Überschrift lautet sinngemäß “Mittelmeer, Geschichte eines maritimen Friedhofs”. Die roten Punkte zeigen, wo zwischen dem 1.1.2005 und dem 18.12.2017 Flüchtlinge im Mittelmeer ums Leben gekommen sind. Es sind drei Schwerpunkte: An der Straße von Gibraltar, vor der Küste Tunesiens und Lybiens und zwischen der Türkei und Griechenland. Es werden jeweils Ausschnitte gezeigt, nicht das gesamte Mittelmeer. Durch die Präsentation auf einer Doppelseite bekommt der Leser einen viel besseren Überblick als die Präsentation nur in Textform.


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