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13.12.2017

Die Zeitung bleibt ohne Alternative

25.10.2017
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Das wahre Problem sind nicht die sogenannten Fake News. Es ist das menschliche Verhalten: Manipulation der Medien und der öffentlichen Meinung, mit dem Ziel Vertrauen in Institutionen und die Mitmenschen zu erschüttern. Wenn Journalismus das allgemein-öffentliche Vertrauen wiederherstellen möchte, braucht es ein neues Verhältnis zu den Communities, denen er dient.
Dr. Mathias Döpfner hat am Eröffnungstag auf dem Zeitungskongress in Stuttgart eine große, befeuernde Rede gehalten – ein Plädoyer für die freie, plurale Gesellschaft, in dem er die Bedeutung der freien, unabhängigen Presse für diese Gesellschaft beschwor. Sein Credo: Nie war der freie Journalismus wichtiger als heute. Allerdings sei dieser Journalismus heute sehr gefährdet. „Der Zusammenhang von Demokratie, Pressefreiheit und wirtschaftlich erfolgreichem Journalismus“, darum gehe es, wenn um die Zukunft der Zeitungsmedien diskutiert und gehandelt wird. 
Dr. Döpfner betrachtete die Lage in der Bundesrepublik, in der die „Anpassung der Mehrheit an eine intolerante Minderheit“ um sich greife, womit er die Ausdrucksformen religiös motivierter Intoleranz meinte, angefangen beim Speiseplan ohne Bockwurst (Schweinefleisch), bis hin zur alltäglich gewordenen Ausgrenzung von Juden und zu offenem Antisemitismus. Islamistischen Terror, die Zunahme von Gewalt, insbesondere gegen Frauen, die Ausschreitungen beim G-20-Gipfel markierte Dr. Döpfner als Alarmzeichen für den Rechtsstaat und als Herausforderung für die Presse. Sie müsse berichten, was ist, dadurch stärke sie die freie Gesellschaft. Wie wichtig unabhängiger Journalismus ist, verdeutlichte der BDZV-Präsident nicht zuletzt durch den Verweis auf andere Länder wie die Türkei, in der rund 150 Journalisten und Abertausende Kritiker des Regimes inhaftiert wurden.
Die Aufgabe der Verleger sei, sagte Dr. Döpfner auch mit Blick auf den sich andeutenden Siegeszug der Künstlichen Intelligenz, „von historischer Tragweite“. Journalismus sei ein „Werkzeug der Freiheit“, der „Scheinwerfer der Aufklärung oder zumindest die Taschenlampe des mündigen Bürgers“. Mit seinen sehr kritischen Anmerkungen durchleuchtete Dr. Döpfner auch die hiesigen medienpolitischen Verhältnisse, und er teilte mit pointiertem Nachdruck gegen ARD und ZDF 
aus. 
In seiner kritischen Anmerkung sagte Dr. Döpfner zur Ausbreitung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks im Internet mit Textangeboten, die zu den Online-Auftritten der Verlage in Konkurrenz treten, sich anders als diese aber nicht selbst finanzieren müssen, sondern zwangsweise von allen Bürgern mit dem Rundfunkbeitrag bezahlt werden: Gäbe es „nur Staatsfernsehen und Staatspresse im Netz“ – wäre das „eher etwas nach dem Geschmack von Nordkorea“.Hier geht es um ein entscheidendes Thema, über das die deutschen Ministerpräsidenten beraten: Es geht um die Struktur und den Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und um Konsequenzen, die es hat, wenn man diesen im Internet nicht begrenzt und das Verbot „presseähnlicher“ Angebote aus dem Rundfunkstaatsvertrag 
streicht. 
Das wollen die Sender mit aller Macht durchsetzen. Darauf dringt eine große Lobby von den Gewerkschaften bis zu den Kirchen, denen die freie, auch wirtschaftlich unabhängige Presse erkennbar weniger wert ist als der über Zwangsgebühren bezahlte öffentlich-rechtliche Rundfunk.
Suche nach Zukunftsfähigkeit
2016 haben die deutschen Zeitungen laut einer BDZV-Marktanalyse 4,9 Milliarden € Umsatz erwirtschaftet. Dabei stellen die Print-Erlöse gegenwärtig das finanzielle Rückgrat der Zeitungserlöse im Kampf um junge Leser und der versuchsweisen Vermarktung von Digitalprodukten. Tages- und Wochenzeitungen gehören zu den wichtigsten Informationsquellen, die 53 % der deutschen Bürger konsumieren. 
Mit diesem Ergebnis landet diese Mediengattung auf Platz 2, gleich hinter den öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern ARD und ZDF, die auf 71 Prozent kommen. Das stellt PwC in einer Mediennutzungsstudie fest. Danach kommen News-Seiten im Internet auf 37 Prozent, Social Media wie Facebook, Twitter & Co. auf 23 Prozent.
68 % der Mediennutzer sind bereit, für ihre Tages- oder Wochenzeitung für geprüfte Inhalte und Informationen zu bezahlen und damit seriös informiert zu bleiben.
Es gibt vielversprechende Versuche bei der Vermarktung digitaler Inhalte. Die Verlagsgruppe Handelsblatt kann 2016 auf 35 Prozent Wachstum bei der Zahl ihrer Digitalabonnenten verweisen. Für 35 € beim Handelsblatt oder 18 € bei der Wirtschaftswoche erhalten Nutzer Zugriff auf Premium-Artikel, e-Paper, Apps, zum Online-Archiv sowie zu den Angeboten der dazugehörigen Wirtschaftsclubs. Mit dem für 2018 vorgesehenen Umzug in ein neues Verlagsgebäude innerhalb Düsseldorfs wird zudem auch an neuen Paid Content-Modellen gearbeitet.
Medien in der politischen 
Meinungsbildung
Nicht nur in Vorwahlzeiten steht die politische Meinungsbildung im Fokus der gesellschaftlichen Entwicklung. Frau Prof. Dr. Renate Köcher, Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie Allensbach gab zum Thema „Die Informationsillusion: Medienwirklichkeiten – Wie politische Weltbilder heute entstehen und welche Rolle Journalismus dabei spielen kann“ Einblicke in die Dynamik der Meinungsbildung.
Künstliche Intelligenz 
auf dem Vormarsch
Mit Johannes Schaback, Unternehmensgründer von Visual Meta in Berlin, konnte ein dynamischer junger Redner zum Thema Künstliche Intelligenz und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft, Wirtschaft und dem einzelnen Menschen gewonnen werden. Eine Entwicklung, bei der es nicht darum geht, diese ängstlich zu verzögern zu wollen, sondern deren Chancen frühzeitig zu erkennen. 
Ein Bezug auf Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz auf die Medienindustrie konnte allerdings dabei nicht angesprochen werden.
Erste Auswirkungen der Künstlichen Intelligenz bei der autonomen Mobilität  stellte der Vorstandsvorsitzende der Daimler AG, Dr. Dieter Zetsche vor. Erklärungen zur aktuellen krisenhaften Situation des weltweit führenden deutschen Automobilbaues traten dabei hinter visionären Vorstellungen zur individuellen E-Mobilität und autonomen Fahren in der Zukunft in den Hintergrund.
Der sonst so offen und sympathisch agierende weltweit geachtete Fussball-Experte Joachim Löw bestand diesmal auf seinen Pressereferenten, der die Fragen an ihn stellen durfte. Normalerweise eine Vorgehensweise, die in einer normalen Pressekonferenz sehr ungewöhnlich ist. Sein Erfolgsrezept auf dem Weg zur nächsten Weltmeisterschaft setzt auf Motivation, Einbindung der Leistungsträger und gesunde Konkurrenz im Team.
Ein Erfolgsrezept das hoffentlich erneut für den Weltmeister auch 2018 aufgeht – mit der WM für Deutschland.
Das Beratungsunternehmen McKinsey stellte eine Studie über die Zukunft des Öffentlich-rechtlichen Rundfunks vor. Die anschließende Diskussion darüber, bei der Dr. Hermann Eicher, Justiziar des Südwestrundfunks Stuttgart, Dr. Heinz Fischer-Heidlberger, Vorsitzender der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarf der Rundfunkanstalten Mainz und Michael Hanfeld, stv. Leiter Feuilleton bei der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ verlief lebhaft, bei der überaus kritische Anmerkungen zu der Studie, bei der die Präsenz und Markstellung der Öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten im internationalen Vergleich präsentiert wurde, geäußert wurden. 
NOVA – Innovation Award der 
deutschen Zeitungen

Der erstmals verliehene Innovation Award ging zur Süddeutschen Zeitung, München,  der Mediengruppe Mainpost, Würzburg,  und Madsack Market Solutions in Hannover.
Die feierliche Auszeichnung der drei Preisträger war Abschluss und Höhepunkt des diesjährigen Zeitungskongresses in Stuttgart. Mit dem Award werden die jeweils besten Produkt-Neueinführungen, außergewöhnliche Geschäftsmodelle, kreative Strategien und Vermarktungsideen in drei Kategorien ausgezeichnet. Gewürdigt werden innovative Leistungen für Leser/Nutzer und Werbekunden ebenso wie beispielsweise die Erschließung neuer Märkte außerhalb des Kerngeschäfts der Zeitungen. 

In der Kategorie „NOVA Produktinnovation“ wurde ausgezeichnet: „Netzwerkjournalismus am Beispiel der Panama Papers“ („Süddeutsche Zeitung“, München): 
Mehr als ein Jahr Recherche, 2,6 Terabyte Daten und die Zusammenarbeit mit Hunderten Reportern des weltweiten Netzwerks investigativer Reporter ICIJ stecken in diesem außergewöhnlichen Projekt. 
Die Jury bewertete die Panama Papers als eine herausragende Innovation in mehrfacher Hinsicht, da bei diesem kollaborativen Projekt eine Vielzahl digitaler Tools zur Bewältigung riesiger Datenmengen zum Einsatz gekommen seien. Eine hervorragende internationale Zusammenarbeit der beteiligten Journalisten habe dies ergänzt.                               
Preisträger in der Kategorie „NOVA Vermarktungsinnovation“ ist: „Programmatic Publishing“ (Mediengruppe Mainpost, Würzburg): Dank automatisierter Prozesse erhält der Leser individuell auf seine Interessen zugeschnittene Inhalte online. Die Jury überzeugte diese Innovation, da sie  verstärkt auf die Bedürfnisse und Interessen der Leser eingehe. Die „Main-Post“ zeige mit diesem Projekt, dass sie auch im europäischen Vergleich führend bei der Aufbereitung und Darbietung journalistischen Contents ist.

Mit „NOVA Neue Geschäftsfelder“ ausgezeichnet wurde: „Mediabox und DooH.de“ (Madsack Market Solutions, Hannover): Das vertraute Werbeplakat nun als bewegter (Nachrichten-) Screen an gut frequentierten und zielgruppendefinierten Standorten, über die regionale Werbenetzwerke aufgebaut werden. Hier würdigte die Jury, dass mit dem technologischen Ansatz  der Zeitungsgruppe aus Hannover eine Innovation im Entertainment-Segment gelungen sei. Im Bereich Außenwerbung habe sie damit Neuland im regionalen Markt betrete. Sie biete zudem eine Chance für die gemeinschaftliche Zusammenarbeit mehrerer Verlage. -karma-

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