INFORMATIONEN FÜR DAS TOP-MANAGEMENT DER MEDIEN-INDUSTRIE
20.08.2018

Die Branche folgt dem allgemeinen Trend

08.08.2018
Bild vergrößern

Deutschlands Regional- und Lokalzeitungen verlieren weiterhin fast komplett an Auflage, einige sogar massiv. So leiden vor allem die Boulevardblätter wie die B.Z., der Berliner Kurier, die Hamburger Morgenpost (-18,0%!) und der Express Köln/Bonn unter Verlusten von über 10%. Gewinner gibt es ohne Sondereffekte unter den rund 230 Blättern, bzw. Verlagen ganze zwei: den Tagesspiegel dank weiter steigender ePaper-Abos – und Deutschlands kleinste IVW-gemeldete Tageszeitung: die Norderneyer Badezeitung mit unter 1000 zahlungsbereiten Abonnenten.
Die vierteljährliche Reise durch Zeitungs-Deutschland schaut auf die verkaufte Auflage in den beiden wichtigsten IVW-Rubriken Abonnements und Einzelverkauf (in Kiosken, Supermärkten, Tankstellen, etc.). Andere Rubriken wie Bordexemplare – die ja selbst bei der Lufthansa immer seltener werden und nur mehr an einem Newspaper-Port am  Terminal A und B gedruckt verfügbar sind – sind dabei nicht berücksichtigt.
Beginnen wir die Reise im Haifischbecken Berlin, mit täglich 10 erscheinenden Tageszeitungen bei einer Bevölkerung von rd. 3,7 Millionen Einwohnern. Keines der Blätter erreicht dort noch mehr als 100.000 Abonnenten und Einzelkäufer, B.Z. und Berliner Zeitung liegen inzwischen nur noch knapp über 70.000, Berliner Kurier und Berliner Morgenpost bei 52.000/53.000. Die klare Nummer 1 heißt Tagesspiegel. Das Blatt steigerte sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sogar leicht. Mehr Papier-Zeitungen verkauft aber auch Der Tagesspiegel nicht, der Zuwachs geht allein auf das Konto der deutlich gestiegenen ePaper-Abos.
In den anderen fünf östlichen Bundesländern geht es für die großen Blätter ausnahmslos deutlich nach unten. Keine der 14 Titel, die in unserer Tabelle der Zeitungen mit mindestens 40.000 verkauften Exemplaren, verlor hier weniger als 3,4%. Besonders bitter sieht es für die Lausitzer Rundschau, die Märkische Oderzeitung, die Mitteldeutsche Zeitung, die Leipziger Volkszeitung und die Morgenpost für Sachsen aus, die allesamt mehr als 5%, teilweise mehr als 6% einbüßten. Wobei die 6,8% weniger für die sächsische Morgenpost im Vergleich zu anderen Boulevardblättern vergleichsweise sogar noch als halbwegs gute Leistung gewertet werden kann.
In Bremen und Hamburg büßten Weser-Kurier, Nordsee-Zeitung und Hamburger Abendblatt 4,0% bis 4,5% ein. Die Hamburger Morgenpost ist diesmal der größte Verlierer aller deutscher Regionalzeitungen – mit einem heftigen Rückgang um 18,0%. Nur noch knapp über 40.000 Stück setzt man via Abo und Einzelverkauf ab.
 In Niedersachsen und Schleswig-Holstein sind einige Titel recht glimpflich davon gekommen. Vor allem die Neue Osnabrücker Zeitung kann mit dem Mini-Minus von 0,7% zufrieden sein. Aber auch Nordwest-Zeitung, Kreiszeitung und sh:z verloren immerhin nur weniger als 3%. Eine im Context der Rahmenbedingungen außerordentlich zu wertende Leistung. Deutlichere 4,6% büßten die HAZ und die Neue Presse in Hannover ein. In Niedersachsen erscheint auch die einzige Regionalzeitung, die unabhängig von Sondereffekten neben dem Tagesspiegel zulegen konnte: Mit Respekt, ein trauriger Scherz: Der 2. Gewinner, die Norderneyer Badezeitung, bleibt mit 898 Abos und Einzelverkäufen der kleinste von der IVW geprüfte Titel, gewann aber 11 aktive Käufer hinzu. Gratulation den Gewinnern.
In Nordrhein-Westfalen finden sich die Blätter mit einem relativ geringen Minus nicht in den Metropolen: Das Westfalen-Blatt aus Bielefeld, Die Glocke aus Oelde und die Siegener Zeitung verloren jeweils maximal 3%. Deutlicher nach unten zeigen die Pfeile bei der Funke-Mediengruppe (u.a. WAZ), den Abozeitungen der Zeitungsgruppe Köln (u.a. Stadtanzeiger), dem Duo aus Aachen, der Westdeutschen Zeitung und der Recklinghäuser Zeitung mit Verlusten von jeweils mehr als 5%. Größter Verlierer ist auch in NRW ein Boulevardblatt: der Express Köln/Bonn, für den es um fast 15 Prozent nach unten ging. Der Vorjahresvergleich des Vermarktungs-Konstrukts “mrw WIRA Dortmund 2201″, zu dem vor allem die Ruhr Nachrichten gehören, fehlt wegen einer Neuordnung der Belegungseinheit.
In Hessen verliert das Vermarktungs-Konglomerat RheinMainMedia (u.a. Frankfurter Neue Presse und Frankfurter Rundschau” mehr als 7%, die Gießener Allgemeine weniger als 3%.
In Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Baden-Württemberg fehlen die großen Ausreißer nach oben oder unten. Alle großen Titel büßten hier zwischen 2,1% und 4,8% ein. Am glimpflichsten davon kamen Die Rheinpfalz, die Badische Zeitung, der Schwarzwälder Bote, die Heilbronner Stimme und das Offenburger Tageblatt mit einem Minus von weniger als 3%. Für das Duo Stuttgarter Zeitung/Stuttgarter Nachrichten gibt es keine Vergleichszahlen, da die Zahlen hier nur noch mit Partnern unter dem Namen “Stuttgarter Zeitung/Stuttgarter Nachrichten PLUS” ausgewiesen werden.
Überdurchschnittlich gut läuft es weiterhin in Bayern. Nur für eine der 15 größten Zeitungen ging es hier um mehr als 5% nach unten, die 5,4% der tz sind für Boulevard-Verhältnisse allerdings auch eine stolze Leistung. Zwei Titel verloren sogar weniger als 2%: das Duo Straubinger Tagblatt/Landshuter Zeitung, sowie der Donaukurier. Das 1,3%-Plus der Main-Post kommt durch einen Sondereffekt zustande. Hier wird im Gegensatz zum Vorjahr nun auch das kleine Haßfurter Tagblatt dazu gezählt.
Die Lage der Printmedien bleibt angespannt; dennoch kann beispielsweise durch noch feinere Zielgruppen-Segmentierung, multimediales Storytelling Erfolg und wirtschaftliche Stabilität erreicht werden.                                                  -karma-

» drucken
« zurück
© PreMedia Newsletter Titelgeschichte - PreMedia Newsletter, Informationen für die Medien-Industrie